Maritime Literatur

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Gorch Fock

Die Blankeneserin


Der aber im Sonnenschein den Strand heraufgegangen kommt, das ist Harm Lanker und kein anderer.
Das ist Simon von Ehrens Knecht und Bestmann.
Er hat sich schon in Battist geworfen.
Ein weißes Hemd und blaues Marinezeug trägt er, dazu hat er den breitrandigen Huler im Nacken.
Gesa wird ein wenig rot, aber sie blickt doch nicht zur Seite.
Und ihr Lachen steckt ihn an.
"Goden Dag, Blanknesersch!"
"Goden Dag, Finkwarder!"
"Na, steihst du beten up 'n Diek, to kieken?"
"Jo, Nober?"
"Nu segg mi een Deel: Worüm lachst du so?"
"Dat is ja doch Sünndag", lacht sie und setzt leiser hinzu, mit einem Blick auf die Haustür, "du sallst ok doch wenigstens een fründlich Gesicht an Land to sehn kriegen?"
Er zieht den Mund breit:
"De Ol schillt woll noch bannig, wat?"
Sie nickt besorgt und folgt ihm langsam in das Haus.

Simon von Ehren schalt zwar nicht mehr, aber Friede war es auch nicht, was auf seinem ehrlichen Gesicht geschrieben stand.
Dazu war die Stirn zu sehr umwölkt, und unter den buschigen Augenbrauen wetterleuchtete es zu arg.
Der neue Junggast, der da von der andern Seite gekommen war, von den Schlicklöchern her, um den Blankenesern das Fischen abzugucken, war gar nicht nach seinem Sinn.
Dieses Treiben und Drängen in der Fahrt, das wilde, verwegene Kreuzen und Drauflossegeln, das ungestüme, planlose Fischen und Kurren paßten ihm herzlich wenig.
Und die Besserwisserei des Knechtes kam ihm pall gegen den Steven.
Simon von Ehrens jahrelange Erfahrung schien für die Katze zu sein, so wenig ließ Harm Lanker sie gelten.
Der sollte erst noch gefunden werden zwischen dem Süll berg und dem Mühlenberg, der die Nord, von Föhr bis Röm und noch höher hinauf, wie Simon von Ehren auf Steine und Grund und Schollen kannte: ließ Harm Lanker das gelten? Nein, er schalt beinahe drüber.
Da- und dahin mußten sie, die Schollen saßen ganz woanders, sie müßten ihnen nach, müßten dahinten aussetzen: in dieser Art ging es jede Reise.

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