Maritime Literatur

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Gorch Fock

Der Taucher


Als es eine Stunde den Mast umkreist hatte, kehrte das Rettungsboot nach dem Feuerschiff zurück. Und dann erschütterten die unsichtbaren Funken die Luft und meldeten zu Cuxhaven, daß da und da eine unbekannte Tjalk gesunken wäre.
Möven strichen über den Topp hin.
Krabbenschaluppen segelten heran, um zu sehen, ob etwa ein Tau loszumachen wäre, und Seeschlepper dampften heran, um zu erkunden, ob vielleicht ein Tau festzumachen sein könnte.
Dann schlug die Einsamkeit wieder über dem Mast zusammen.
Aber in der Abenddämmerung, als die Lichter schon über der See standen, kam der Staatsdampfer und legte eine Wracktonne aus.
Am anderen Morgen bekam der Strandvogt einen Rettungsgürtel mit dem Namen 'Gesine von Hamburg', den ein Wattfischer gefunden hatte: da hellte das Dunkel auf, das über dem gesunkenen Schiff ruhte; da mußte es Klaus Röver sein, der mit seiner Tjalk von Harburg gekommen war und nach Kopenhagen segeln gewollt hatte.
Wieder ging ein Tag vorüber. Auf der Alten Liebe standen Klaus Rövers Frau und seine beiden Jungen, die blaß und verweint über die See guckten.

Die Tjalk hatte über dreißig Jahre auf dem Buckel, sie war alt und mürbe. Und die Ladung, die Ölkuchen waren durch das Seewasser verdorben.
Das Wrack lag abseits vom Fahrwasser und war niemand im Wege.
Also: wär hätte sich darum kümmern sollen, wer kümmerte sich darum? Kein Mensch!
Aber die Wasserkante hatte dennoch ein Gespräch darüber angefangen. Sie sagte, daß Klaus Röver die Tjalk recht hoch im Kompakt stehen hätte.
Sie meinte, daß es doch seltsam wäre, eine geruhige Nacht und niemand hätte etwas über einen Zusammenstoß gehört.
"Wenn dat man nich so wesen schullt hett!"
Damit war es ausgesprochen, das harte Wort, und niemand wußte, wer es zuerst gesagt hatte.
Der Kompakt kam, die Versicherungsgilde des Schiffes, die sich vor die große Aufgabe gestellt sah, und die beiden grauköpfigen Schiffer steckten sich schlauerweise hinter Staatsanwaltschaft und Hafenmeister und hielten darum an, daß der Taucher das Schiff untersuchte, um festzustellen, wodurch es zum Untergang gebracht wäre und ob noch Menschen drin steckten.

Fortsetzung folgt