Maritime Literatur

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Gorch Fock

Der Reeder


Segel konnte es nicht mehr führen, so furchtbar raste der Sturm; so mußte es vor Topp und Takel lenzen.
Der Fockmast war niedergebrochen. Wild wie russische Wölfe stürzten die Seen sich auf das wehrlose Schiff, das schwer arbeitete in der riesenhaften Dünung vor Kap Horn, und der Sturm ging die Sache an, als wollte er einem das Herz aus dem Leibe wehen. Urplötzlich aber zog eine dichte Hagelflagge herauf und umschlang das Schiff und die See wie ein Leichentuch, daß nichts mehr von ihnen zu sehen war.
Der Reeder wandte sich ab, als wenn er das Ende dieser schweren Flage nicht sehen mochte.
140 Tage war sein Vollrigger schon auf See und noch hatte Kapitän Saß nicht gekabelt, daß er die Salpeterküste erreicht hatte, Kapitän Saß, der mit dem scharfsegelnden Schiff und mit dem Wind so sehr verwachesen war, daß er die Reise nach der Westküste in den ganzen zwanzig Jahren kaum einmal unter 70 Tagen getan hatte.
Einmal, als er den Kalmen, den Stillen und den Äquator, gänzlich durch die Finger gelaufen war, hatte er sich sogar in 58 Tagen von Valparaiso geklippert wie der beste Geschichtenerzähler von Kapitän. Und er sollte 140 Tage nach Antofagusta nötig haben?
Auf der Höhe von Pernambuko war er von einem Hanburg-Süd-Dampfer gesehen und angesprochen worden; seitdem fehlte jegliche Kunde von ihm, aber von Punta Arenas waren Berichte über anhaltende, schwere Stürme im Gebiet von Kap Horn nach Hamburg gelangt.

Hinrich Willers wußte lange, daß sein Dreimaster verschollen war, wußte, daß er sein schönstes, liebstes Schiff verloren hatte, lange bevor die Wasserkante von der 'Elisabeth' sprach, lange bevor die Rückversicherung bei Loyds abgeschlossen wurden und bevor die Zeitungen den mutmaßlichen Untergang des heimischen Seglers befürchtet hatten.
Lange Wochen schon quälte er sich um sein Schiff, ohne daß er sich jedoch im Hause, an der Börse oder im Kontor anders als sonst gegeben hätte.
Nach niederdeutscher Art fraß er seine G.edanken in sich hinein. Fragte ihn jemand, so bemerkte er gleichmütig, daß es bei Segelschiffen lange und kurze Reisen gäbe und daß er nur von seinen Dampfern sagen könne, wann sie ihre Häfen ungefähr erreichte.

Fortsetzung folgt