Maritime Literatur

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Gorch Fock

Der Reeder


Gestern 139, heute 140 Tage. 140 Tage Reise von Terschelling nach Antofagasta, ein Klipper wie die 'Elisabeth': wer glaubt das? Hinrich Willers, der Reeder, schüttelte den Kopf, denn er konnte es nicht glauben und er glaubte es auch nicht. Das Schiff war verschollen.
Hinrich Willers stand am Balkonfenster seines weißen, schloßartigen Landhauses hinter Nienstedten, das von seiner stolzen Höhe über die Baumwipfel hinweg auf die Elbe sah, und hatte die grauen Augen in der Weite.

Er gewahrte nicht die grauen Steinewer und schwarzen Fischerkutter mit den braunen Segeln in der Tiefe, nicht die grünen Kuffen und weißen Tjalken mit den griesen Lappen, die mit der Flut gegen den Ostwind hamburgan kreuzten, nicht die großen und kleinen Dampfer, die vorübermählten, nicht den langen Deich von Finkenwärder mit seinen Eichen und Linden, nicht das Alte Land mit seinen Kirchtürmen, Bauerndächern und Ziegeleischloten und nicht die wandernden, schäumenden Wogen auf der Elbe.
Anderes stand vor seinen geistigen Augen: andere Wogen und anderes Wasser sah er. Die Wogen gingen haushoch, bergehoch gingen sie, und das Wasser war die See, die dunkle See, der südliche Atlantik, war das ungeheuerlich aufgewühlte, kochende, brüllende Weltmeer. Ehern und urgewaltig erhoben Riesenwellen ihre schaumgekrönten Häupter zu grauenhaften Höhen und Wogentäler taten sich jäh auf, so tief, als wollten sie den Meeresboden streifen.
Wie der Qualm der Hölle flogen zerfetzte Wolkenreste heran und zerflossen in dem undurchdringlichen Grau des Hebens.
Und ein Schiff tanzte inmitten dieses Hexenkessels. Ein Vollschiff war es auf der Elbe, ein stolzer, mächtiger Dreimaster, hier war es nur ein Stück Holz in einem Wasserwirbel.

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