Maritime Literatur

Maritime Literatur

Gorch Fock

Auf Helgoland


Die greise Königin saß gen Westen gewendet, wie Sie immer zu tun pflegte. Schön-Helga stand neben ihr und ließ sich das Haar vom Wind kämmen.
Auf der Bank saß Herr Dietrich von Juist und schlief. Frühmorgends war er mit seinen Schaluppen herübergekreuzt, um Schön-Helga zu freien.
Aber ehe er in das rechte Fahrwasser kam, waren das gute Essen und der gute Wein ihm vor den Bug gekommen und hatten ihn über Stag gehen lassen. Nun war er eingeschlafen.
"Ahne, schläfst du?"
Sie schüttelte leis den Kopf.
"Ich träume, Kind. Es tut mir wohl, wenn die Sonnenstrahlen mir das Gesicht wärmen. Ein Gruß von dort ist es, eine milde Mahnung: Komm bald.
Sonnenbeschienen: so will ich einst hinüberschlummern in das Sonnenland."
"Du bist so gut und heilig, daß ich zu dir beten könnte."
"Du bist mein Auge, Kind. Mein sonnenfreudiges Auge. Was sieht mein Auge?"
"Die helle Sonne auf dem grünen Gras und den Wind, der durch die Halme geht."
"Das sieht es und die blaue See, die weißen Möwen, die helle Sonne. - Die ganze Welt ist voller Licht und Freude."
"Das ist sie, Ahne."
"Blinken und schimmern unsere geschnäbelten Schiffe groß und frei auf dem Wasser?"
"Sie sind nicht da. Klaas fischt damit."
"Mit meinen leuchtenden Königsschiffen? Klaas ist ein jämmerlicher Grundkriecher. Statt zu jagen, zu erobern, zu gewinnen, statt sich mit dem Schwert zu gürten, fiert er die Leine ab und wartet, bis ein magerer Schellfisch oder eine armselige Makrele anbeißt.
Wartet geduldig, - und ist doch aus altem Wikingstamm. Sein Ohm hat in meinem Kielwasser gesteuert, als wir südwärts segelten. Er fischt,... morgen geht er hin und bettelt."
"Ahne, der fremde Priester kommt."
"Wieder, willst du sagen."
Mit feierlichen Schritten kam er daher.

Fortsetzung folgt