Maritime Literatur

Maritime Literatur

Friedrich Gerstäcker

Die Kolonie


Wieder und wieder flog der Blick der beiden Reiter aber zu der kleinen Ansiedelung zurück, die auch zu gleicher Zeit ihr heutiges Ziel bildete, und während in dem Walde selber die tropische Vegetation von dem weit stärkeren Laubholze verdeckt oder überschattet wurde, konnte ihnen nicht entgehen, wie gerade nahe bei den Häusern der tropische Charakter der Landschaft sorgfaltig gewahrt und erhalten war.
Die deutschen Einwanderer hatten nämlich, als sie den Wald in offenes Feld verwandelten, daheim schon zu viel von den "wehenden Palmen Brasiliens" gehört und hier und da auch wohl in ihrer Art davon geschwärmt - denn der Bauer ist nie Phantast -, um jetzt gleich die Axt an die ersten zu legen, die ihnen in den Weg traten.
Wo sie ihr Haus aufrichteten oder ihren Garten umzäunten, ließen sie manche von diesen stehen, und hier und da bequemte sich auch wohl ein einzelner, selbst in seinem Felde um die Wurzeln derselben herumzupflügen, nur um von seinem Fenster aus die stattlichen, schlanken Stämme sehen zu können.
Reizend gelegen war auch die kleine Chagra, vor der sie hielten, und eine schönere Fernsicht hätte der Eigentümer wohl kaum in der ganzen Nachbarschaft finden können.
Ebenso hatte er sein kleines Häuschen mit Geschmack gebaut, so einfach es auch sonst sein mochte, und der Platz schien nach allem, was man auf den ersten Blick davon sehen konnte, neu eingerichtet und gelichtet, hätten dem nicht wieder die stattlichen Pinien und Orangenbäume widersprochen, welche das Haus umstanden und mit drei oder vier stämmigen Palmen eine Gruppe bildeten, wie man sie sich kaum pittoresker denken kann.
Den beiden Fremden war dies ebenfalls nicht entgangen, und besonders der Jüngere von ihnen, der vielleicht dreißig bis zweiunddreißig Jahre zählen mochte, überschaute mit innigem Behagen den kleinen Platz, der sich wie ein Bild unter seinem grünen Blätterschmuck zeigte.
Der Fremde ritt einen grauen, prächtigen Hengst mit einem ganz eigentümlichen, fremden Sattelzeuge, das mit seiner ganzen Form und einer Menge rohgearbeiteter Silberplatten, wie einer Anzahl kleiner silberner Schnallen und Troddeln und Quasten von ungegerbter, aber außerordentlich künstlich geflochtener Rohhaut mexikanischen, vielleicht sogar indianischen Ursprungs zu sein schien.
Sonst aber ging er sehr einfach, doch für den Wald praktisch gekleidet.

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