Maritime Literatur

Maritime Literatur

Frederick Marryat

Seekadett Easy


ERSTES KAPITEL

In welchem der Leser von einem Philosophen und seiner Frau erfährt

Nikodemus Easy war ein Gentleman, der tief in Hampshire wohnte; er war verheiratet und lebte in sehr behaglichen Umständen.
Kinder hatte er nicht, er trug jedoch großes Verlangen, welche zu haben.
Endlich, es war gegen Ende des elften Jahres ihrer Ehe, beklagte sich Mrs. Easy zum erstenmal darüber, daß ihr das Frühstück nicht schmecken wollte.
Ganz sicher war sich Mrs. Easy der Ursache freilich nicht, aber sie glaubte, es könnte sein, denn eine Möglichkeit wär es doch immer.
Endlich gingen auch Mr. Easy die Augen auf, und als er nun seine Frau katechisierte und die staunenerweckende Wahrheit herausfragte, gingen ihm die Augen noch weiter auf, und dann schnippte er mit den Fingern und tanzte wie ein Bär auf heißen Platten.
Der langen Rede kurzer Sinn: Es dauerte nur noch wenige Wochen, und dann lag ein schreiendes Etwas in der Wiege, die der Tischler von Forresthill hatte anfertigen müssen.
Nach langem Hin und Her, bei dem Mr. Easy seine Frau und Mrs. Easy ihren Mann mit Argumenten und Gegenargumenten traktiert hatte, einigten sich beide auf den Namen Jack, obwohl er im Grunde von keinem von beiden akzeptiert wurde.
Die Zeit verging, die Wiege wurde bald zu klein für Jack.
Er lernte laufen und sprechen, aber was er sonst noch lernte, erfüllte Dr. Mittleton, den Arzt der Familie Easy, mit Bedenken.
Obwohl in Forresthill, dem Besitz des Mr. Nikodemus Easy, vieles drunter und drüber ging, gab es doch nirgendwo Mangel, im Gegenteil.
Und so wurde denn unser Jack, unter Vorantritt der Frau Mama, gehätschelt und gepäppelt und, nennen wir es ruhig beim rechten Namen, weidlich verwöhnt.
Jack bekam alles, Jack durfte alles, Jack hatte alle Rechte, nur Pflichten hatte er nicht.
Waren die Erziehungsmethoden der Mrs. Easy durch Zuckerbrot gekennzeichnet, so die des Hausherrn Mr. Easy keineswegs etwa durch die Peitsche.
Nein, das ganz und gar nicht, denn Mr. Easy war ein Philosoph der Gewalttätigkeit rundheraus ablehnte.
Er war aber nicht nur Philosoph, er war vielmehr: Er war Weltverbesserer.

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